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Weglaufen bei Demenz & Alzheimer: Was Angehörige tun können


Demenz ist ein Überbegriff für viele Krankheiten, welche die Hirnfunktionen einschränken. Alzheimer ist die bekannteste davon. Häufig ist das Denken, die Orientierung und das Gedächtnis betroffen. Das kann dazu führen, dass eine betroffene Person "davonläuft".


Das ist leider typisch für Alzheimer, und kann gefährlich werden. Als pflegende:r Angehöriger sollten Sie der Situation darum – so gut wie möglich – vorbeugen.

Wir geben eine kurze Übersicht über Anzeichen für Wandergefahr, Prävention und richtiges Reagieren im Ernstfall. Oder springen Sie hier direkt zu unserer Zusammenfassung: Was pflegende Angehörige unbedingt wissen müssen.







Bei Demenz und Alzheimer verlieren Menschen unter anderem die Fähigkeit, gewohnte Orte zu erkennen. Daher ist es nicht untypisch, wenn eine erkrankte Person zu ihrem eigenen Standort desorientiert ist. Oder eben, wenn sie "davonwandert".



Risiken erkennen


Anhand einiger typischer Warnsignale können Sie als Angehörige:r erkennen, ob die betroffene Person einem Risiko zu Wandern unterliegt. Diese sind zum Beispiel:


  • Die Person spricht davon, an Orte zu gehen, die sie nicht mehr besucht. Beispielsweise spricht sie davon, zur Arbeit zu gehen, obwohl sie pensioniert ist.

  • Sie erkundigt sich nach Personen aus einem früheren Leben (z.B. verstorbene Geschwister).

  • Die Person zeigt Mühe, einen eigentlich bekannten Ort zu finden.

  • Und an einem unbekannten Ort verirrt sie sich leicht (zum Beispiel, wenn sie im Restaurant ist und alleine das WC aufsucht).

  • Ausserdem ist die Person nervös, wenn sie an einem öffentlichen Ort mit viel Stimulation ist, zum Beispiel in einem Einkaufszentrum.

  • Die Person geht regelmässig spazieren respektive aus dem Haus. In letzter Zeit benötigt sie länger, bis sie heimkehrt.

  • Sie spricht davon, heim zu gehen, obwohl sie zuhause ist.

  • Die Person zeigt generell Unruhe/Bewegungsdrang und wandert auch durch das Haus und den Garten.




Richtig reagieren im Notfall


Nicht lange zögern


Wenn eine Person, die an Demenz erkrankt ist, verschwindet, ist das ein grosser Schock. Zeit ist dann der wichtigste Faktor. Zögern Sie nicht und starten Sie sofort die Suche.


Wenn Sie die vermisste Person nicht innerhalb von 15 Minuten finden, sollten Sie Hilfe rufen (Familie oder Nachbaren). In der Regel wird die Polizei vor der 24-Stunden-Regel tätig, wenn es sich um erkrankte Personen handelt.


Zur Beruhigung: Die meisten Menschen werden im nahen Umkreis des Hauses gefunden – oder sogar in ihrem Zuhause. Die meisten Notfälle enden glimpflich.



Unmittelbares Umfeld absuchen


Suchen Sie also erstmals gründlich im unmittelbaren Umfeld, z.B. im Garten, im Keller, in begehbaren Schränken; dann in der Strasse, in Nachbargärten, usw.


Und wenn möglich: Mobilisieren Sie die Nachbarn. Je mehr Leute helfen, umso grösser ist die Chance, die entlaufene Person bald zu finden.


In diesem Kontext raten wir ausserdem, Prävention zu betreiben: Klopfen Sie bei einer Demenz-Situation einmal an die Türen der unmittelbaren Nachbarhäuser und informieren Sie über die Situation. In den meisten Fällen ist die Bereitschaft der Mitmenschen hoch, die Situation zu diskutieren und sich für einen allfälligen Notfall zu wappnen.


Bekannte Orte kennen


Überlegen Sie sich, ob es Hinweise gibt, wohin die Person gegangen ist. Hat sie vielleicht regelmässig von einem Ort gesprochen? Das kann auch ein Ort “von früher” sein, zum Beispiel der alte Arbeitsplatz.

  • Suchen Sie im Umkreis dieses Ortes.

  • Erstellen Sie in einem ruhigen Moment eine Liste mit möglichen Orten.

  • Fragen Sie sich auch, wie die Person an diesen Ort käme: mit dem ÖV? Zu Fuss? Halten Sie die Routen bereit, z.B. via Google Maps.



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Weitere Präventive Massnahmen


Mit unkomplizierter Vorsorge lassen sich bereits viele Notfälle verhindern.


Das Weglaufen verhindern

  • Beobachten Sie die Person und erkennen Sie Muster: Wann ist die Person besonders gefährdet, davonzulaufen? Am Morgen, um "zur Arbeit zu gehen"? Oder eher am Abend?

  • Schaffen Sie eine Tagesstruktur für die Person. Organisieren Sie Aktivitäten, die sie beschäftigt halten.

  • Gehen Sie mit der betroffenen Person spazieren oder engagieren Sie Spazierhilfen von Entlastungsdiensten.

  • Lassen Sie eine Person mit Weglaufdrang nicht alleine in einer unbekannten Umgebung.

  • Passen Sie das Umfeld der Person an, anstatt umgekehrt: Vermeiden Sie zum Beispiel, dass die Person an neue Orte geht, die sie überfordern könnten. Oder gehen Sie am besten mit. Wenn Ihnen das nicht möglich ist, dann organisieren Sie einen Begleitdienst, zum Beispiel vom Roten Kreuz.


Gefahren kennen

  • Überprüfen Sie, wo in der Nachbarschaft oder auf den bekannten Routen wie dem ehemaligen Arbeitsweg Gefahren lauern könnten. Gefahren sind zum Beispiel Treppen, Teiche, Schnellstrassen.


Hilfe & Hilfsmittel, falls der Notfall eintrifft


Diese Checkliste basiert teilweise auf Empfehlungen der Alzheimerhilfe. Mehr Informationen finden Sie auf der Website der Alzheimerhilfe.



Passen Sie sich der individuellen Situation an


Je nach Schweregrad der Erkrankung und nach Tendenz zum Wandern sind andere Massnahmen angezeigt. Bei einer Person, die nur an milder Demenz leidet, kann man vielleicht bereits durch passive Kontrolle via Notfalluhren oder Sensoren für viel Sicherheit sorgen.


Bei einer stärker erkrankten Person empfiehlt sich eine täglicher Besuch.



Falls regelmässige Kontrollen notwendig sind, ändert sich auch das Leben von Ihnen als Angehörige:r stark. Denn dies ist zeitintensiv. Zeit, die Sie vielleicht nicht haben.




Zusammenfassung: Was Pflegende Angehörige unbedingt wissen müssen


  • Wandern ist typisch für Alzheimer und Demenz und kann in allen Phasen der Krankheit vorkommen.

  • Es gibt typische Warnsignale für das Risiko, zu wandern. Dazu gehören unter anderem: Wenn die Person von Orten oder Personen spricht, die aus einem früheren Leben stammen (ehemaliger Arbeitsort, verstorbene Verwandte). Wenn die Person Mühe hat, bekannte Orte zu finden, oder an unbekannten Orten die Orientierung verliert. Wenn die Person von Spaziergängen verspätet heimkehrt oder durch das Zuhause wandert.

  • Wenn Sie solche Veränderungen feststellen, sollten Sie reagieren! Sorgen Sie für Prävention und setzen Sie sich damit auseinander, wie Sie im Notfall richtig reagieren.

  • Präventive Massnahmen, um das Entstehen eines Notfall zu verhindern, sind zum Beispiel: Muster erkennen (Tageszeit für wandern), Spazierhilfen oder einen Begleitservice organisieren. Tagesstrukturen schaffen, die die Person beschäftigen.

  • Präventive Massnahmen, um im Notfall richtig zu reagieren, sind zum Beispiel: Foto der Person bereithalten, typische mögliche Weglauf-Routen kennen, Nachbarn vorinformieren, Notfallprodukte anschaffen oder organisieren (z.B. Handy-Tracking).

  • Falls der Notfall eintrifft, sollten Sie sofort mit der Suche beginnen. Mobilisieren Sie Hilfe und allenfalls die Polizei. Suchen Sie zuerst zuhause und dann in der unmittelbaren Nachbarschaft. Danach an entfernteren "bekannten Orten". Welches dies sind, damit haben Sie sich bei der Prävention auseinandergesetzt.

  • Halten Sie sich vor Augen, dass die Person in den meisten Fällen wieder gesund gefunden wird.

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