Tag der Pflege 2026: Ein ehrlicher Blick auf die (unsichtbaren) Held/innen
- Care Management Team
- 4. Mai
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 4. Mai
Unsere Situation in der Schweiz
Das Wichtigste kurz erklärt
Am 12. Mai ist Internationaler Tag der Pflege. Weltweit wird an diesem Tag an Florence Nightingale erinnert, die Pionierin der modernen Krankenpflege.
Am Internationalen Tag der Pflege sagen wir nicht nur Danke. Wir möchten diesen Moment nutzen, um allen Menschen laut und deutlich Respekt zu zollen, die täglich mit unglaublicher Hingabe, Kompetenz und Verantwortung pflegen – sei es in Spitälern, Pflegeheimen, bei der Spitex oder zu Hause als Angehörige.
Denn ein einfaches ‚Danke‘ reicht nicht.
Es braucht echte Anerkennung, bessere Rahmenbedingungen und eine Gesellschaft, die diese Leistung endlich sichtbar macht und wertschätzt.
Unsere Situation in der Schweiz – Heldinnen und Helden unseres Systems
Professionelle Pflegekräfte wie FaGe / Dipl. Pflegefachpersonen etc.
Professionelle Pflegefachpersonen leisten Enormes. Sie arbeiten unter hohem Druck, oft in Schichtarbeit und mit wachsendem Fachkräftemangel. Laut aktuellen Schätzungen fehlen in der Schweiz rund 65'000 Pflegekräfte (Stand 2025).
Viele Teams sind überlastet, und der demografische Wandel macht die Situation nicht einfacher.
Wir sehen täglich, wie wertvoll diese Arbeit ist. Ohne die professionelle Pflege würde unser Gesundheitswesen nicht funktionieren.
Pflegende Angehörige
Und doch gibt es eine Gruppe, die oft im Schatten bleibt – die pflegenden Angehörigen: Unsichtbare Held:innen unseres Systems.
Einige wichtige Fakten dazu:
In der Schweiz pflegen und betreuen 465 000 Menschen eine erwachsene Person – viele davon neben Beruf, eigenen Kindern und Alltag (Quelle: BFS SAKE 2024).
Die unbezahlte Pflege- und Betreuungsarbeit von Angehörigen hat einen volkswirtschaftlichen Wert von rund 3,4 Milliarden Franken pro Jahr (Quelle: BFS / Bundesrat 2025).
360 000 Menschen gehen gleichzeitig arbeiten und pflegen. Jeden einzelnen Tag (Quelle: Bundesrat 2025).
Trotzdem fliesst nur 0,24 % der gesamten Krankenkassenausgaben (rund 55 Millionen Franken) an die Pflege durch Angehörige – obwohl sie einen riesigen Teil der Versorgung stemmen (Quelle: Bundesrat 2025).
Fast jede zweite erwachsene pflegende Angehörige (44 %) spürt die Belastung deutlich – finanziell, psychisch oder körperlich. Viele warten zu lange, bis sie Hilfe annehmen. (Quelle: BAG Synthesebericht & Bevölkerungsbefragung)
Bei 17 % der betreuenden Kinder und Jugendlichen besteht sogar ein gesundheitliches Risiko, weil ihnen zu wenig Zeit zum Erholen bleibt. (Quelle: BAG Synthesebericht & Bevölkerungsbefragung)

Sehr belastend sind die Betreuung von Menschen mit Demenz oder in der letzten Lebensphase.
Umfrage:
Pflegst du eine/n Angehörige/n?
0%Ja
0%Nein
0%Nein, aber ich kenne Menschen in meinem Umfeld
Besondere Herausforderung: Familien mit Kindern mit Autismus-Spektrum-Störung (ASS)
Eine besonders intensive und oft unsichtbare Form der Angehörigenpflege findet in Familien mit Kindern im Autismus-Spektrum statt.
Diese Eltern – vor allem Mütter – leisten rund um die Uhr Betreuung, Koordination von Therapien, Verhaltensunterstützung und emotionale Begleitung. Viele geben ihre eigene Berufstätigkeit auf oder reduzieren sie stark, um den hohen Bedürfnissen ihres Kindes gerecht zu werden. Die ständige Koordination zwischen Schule, Therapeuten, Ärzten und Behörden ist enorm aufwendig und kräftezehrend.
‼️ Frauen übernehmen in der Schweiz fast 2/3 der gesamten Angehörigenpflege. Gerade bei ASS-Familien wird dadurch die gesellschaftliche Ungleichheit weiter verstärkt – bei Karrierechancen, Einkommen und der Altersvorsorge. Quelle: Bundesrat 2025
Diese Eltern sind oft erschöpft, fühlen sich unverstanden und erhalten zu wenig passgenaue Entlastung. Ihre Leistung verdient nicht nur Respekt, sondern konkrete, fachlich kompetente Unterstützung.
Wo wir als Gesellschaft noch hinschauen müssen
Der Internationale Tag der Pflege erinnert uns nicht nur daran, Danke zu sagen. Er zeigt vor allem, wo wir als Gesellschaft dringend handeln müssen:
Schluss mit dem Tabu und der Scham Die Selbstverständlichkeit, mit der viele Frauen (und zunehmend auch Männer) Job und intensive Care-Arbeit zu Hause vereinbaren müssen, darf kein Tabu mehr sein. Die innere Scham, Hilfe oder gar Bezahlung anzunehmen, weil „das doch zur Familie gehört“, muss endlich verschwinden.
Echte gesellschaftliche Anerkennung für unbezahlte Pflegearbeit Die enorme Leistung von Angehörigen muss sichtbar gemacht und als gleichwertiger Teil des Pflegesystems anerkannt werden – nicht nur mit Applaus, sondern mit Respekt und Wertschätzung.
Bessere Vereinbarkeit von Beruf und Angehörigenpflege Es braucht flexible Arbeitsmodelle, echte Unterstützung durch Arbeitgeber und politische Rahmenbedingungen, die es ermöglichen, Beruf und Pflegeverantwortung zu vereinbaren, ohne sich selbst dabei aufzugeben.
Finanzielle Wertschätzung statt symbolischer Gesten Unbezahlte und angestellte Pflegearbeit von Angehörigen muss endlich angemessen finanziell anerkannt werden. Es kann nicht sein, dass diese systemrelevante Arbeit fast ausschliesslich privat finanziert oder als „Selbstverständlichkeit“ abgetan wird.
Niederschwellige, ganzheitliche und spezialisierte Unterstützung Wir brauchen passgenaue Angebote – besonders für Familien mit Kindern mit Autismus-Spektrum-Störung (ASS) und anderen besonderen Bedürfnissen. Nicht nur Pflege, sondern echte Entlastung im Alltag, Koordination und emotionale Begleitung.
Frühe Entlastung, bevor die Kraft aufgebraucht ist Hilfe darf nicht erst kommen, wenn Angehörige bereits am Limit oder ausgebrannt sind. Präventive und niederschwellige Unterstützung muss zur Regel werden.
Was uns als Familienspitex wichtig ist
Genau hier setzen wir bei Familienspitex an:
Wir glauben, dass pflegende Angehörige nicht allein gelassen werden dürfen – egal ob sie Eltern, erwachsene Kinder oder Partner:innen pflegen. Deshalb bieten wir mehr als nur Pflege: Wir unterstützen ganzheitlich – mit Herz, Rat und Tat.
Ob professionelle Pflegeberatung, Alltagshilfe, Anstellung von Angehörigen mit fairer Entlöhnung, Rechtsberatung, psychologische Unterstützung oder spezialisierte Begleitung von Familien mit ASS: Bei uns steht der Mensch im Zentrum.
Wir wollen echte Entlastung schaffen und euch das Gefühl geben: Du bist nicht allein. Wir sind ein Team.

Möchtest du dich mit uns unterhalten?
Schau gerne in unserer Community vorbei oder melde dich direkt bei uns. Wir hören zu und finden gemeinsam den nächsten sinnvollen Schritt.





Kommentare